Jens Lingemann, 49 Jahre, aus Hattingen/Ruhr (NRW)

Ich kann nicht einfach auf dem Sofa sitzen und nichts tun. Dazu habe ich zu viel geistige Energie und reichlich Ziele vor Augen. Die Kraft ziehe ich ausschliesslich aus der Psyche, nicht aus meinem Körper. Ich habe vor neun Jahren, ich war 40 Jahre alt, die Diagnose Lungenemphysem, COPD, Bronchiektasen erhalten. Damals wusste ich gar nicht, was das genau ist. Noch auf der Intensivstation begann ich Fachbücher zu studieren, um besser zu verstehen, was auf mich zukommt. Das war ein Schock – auch für meine Familie.

Inzwischen bin ich im Endstadium der Krankheit. Ich habe nur noch eine Lungenfunktion von 15% und bin auf eine 24 stündige Langzeit-Sauerstofftherapie angewiesen. An klaren Tagen kann ich mit dem Rollator und dem mobilen Sauerstoffgerät gerade noch 30 bis 40 Schritte gehen bevor ich eine mehrminütige Zwangspause einlegen muß. Nachts benötige ich darüber hinaus ein Beatmungsgerät. An allen wesentlichen Teilen des sozialen Lebens kann ich nicht mehr teilhaben, Kino, Konzert, Theaterbesuche sind nicht mehr realisierbar, dennoch habe gelernt meine Krankheit zu akzeptieren und gut mit ihr zu leben. Fragen wie: „Warum ist gerade mir das passiert?; Wie soll es nur weiter gehen?, stelle ich mir nicht, da es darauf keine logischen und zufriedenstellende Antworten gibt.

Ich setze meine verbleibende Zeit lieber dafür ein anderen Erkrankten zu helfen. Das war auch einer der Gründe warum  ich vor acht Jahren die SHG Lungenemphysem-COPD Deutschland gegründet habe. Am Anfang waren wir nur zu dritt, mittlerweile informieren und  betreuen wir über 8100 Betroffene in Deutschland und den Deutschsprachigen Nachbarländern. Aber das alles ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn allein in Deutschland leben rund vier Millionen COPD-Kranke. Ich habe wahrscheinlich nicht mehr viele Jahre zu leben, diese verbleibende Zeit möchte ich jedoch so gut es geht nutzen und mich weiter für die Betroffenen stark machen.

Ich finde es sehr gut, dass ein neues Lungenzentrum gegründet wird. Noch ist viel zu wenig bekannt über die Ursachen der COPD, und die Therapiemöglichkeiten sind begrenzt. Ich wünsche mir von den Wissenschaftlern und Ärzten im CPC, dass sie versuchen, die biologischen Ursachen der COPD zu entschlüsseln. Wie entsteht COPD und wie entwickelt sie sich weiter? Wenn man das herausfinden kann, wird es auch möglich sein, neue Medikamente zu entwickeln, die das Fortschreiten der Krankheit stoppen, oder diese möglicherweise sogar irgendwann in der Zukunft reversibel machen.

Kontaktaufnahme:

Lungenemphysem-COPD Deutschland
Jens Lingemann
02324-999000

E-Mail: shg@lungenemphysem-copd.de
Internet: www.lungenemphysem-copd.de
 


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