17. Januar 2017

RELIEF-Studie: Laufende Studie zu Pirfenidon bei progressiven, nicht-IPF Lungenfibrosen (Non-IPF ILDs)

Im April 2016 wurde die RELIEF-Studie gestartet. An 15 deutschen Studienzentren wird untersucht, ob Pirfenidon auch eine Therapieoption für Patienten mit anderen interstitiellen Lungenerkrankungen (Non-IPF Lungenfibrosen) darstellt, bei denen konventionelle Therapien versagen. Für den Erfolg der Studie ist deshalb eine ausreichende Rekrutierung von Studienteilnehmern für die einzelnen Entitäten essenziell.

Unter dem Begriff ILD (englisch: Interstitial Lung Disease) wird eine komplexe Gruppe verschiedener Lungenerkrankungen zusammengefasst. Ihnen gemein ist, dass das Alveolarepithel, das Kapillarendothel, die Basalmembran sowie das perivaskuläre und perilymphatische Lungengewebe befallen ist. Eine der häufigsten fibrosierenden ILDs ist die idiopathische pulmonale Fibrose (IPF). Weitere progrediente, Non-IPF Lungenfibrosen sind:

  • Lungenfibrose im Rahmen einer Kollagenose (rheumatischer Formenkreis, CVD-ILD)
  • Idiopathische, fibrosierende nichtspezifische interstitielle Pneumonie (fNSIP)
  • chronische exogen allergische Alveolitis (synonym: chronische Hypersensitivitätspneumonitis, cHP)
  • asbestinduzierte Lungenfibrose (ALF)

Zur Behandlung der leichten bis mittelschweren IPF ist Pirfenidon seit 2011 in der EU zugelassen. Es ist aufgrund seines vorteilhaften Nutzen-Risiko-Profils bei der IPF etabliert. Mehrere Studien belegen die gute Wirksamkeit, u. a. hinsichtlich der Verlangsamung des Rückgangs der Lungenfunktion (FVC) sowie der Senkung des Mortalitätsrisikos.[ii],[iii],[iv]

Für die meisten anderen Non-IPF Lungenfibrosen ist Immunsuppression die bisherige Standardtherapie. Diese ist jedoch oft uneffektiv und mit erheblichen Nebenwirkungen behaftet. Daher ist der Bedarf einer effektiven Therapie für diese ILD-Entitäten sehr hoch. „Da sich die Pathomechanismen dieser ILDs und der IPF ähneln, kann Pirfenidon eine Therapieoption sein“, erläutert Professor Andreas Günther, stellvertretender Leiter der klinischen Prüfung, den Grund für die Initiierung der RELIEF-Studie.

 

RELIEF-Studiendesign

In der Studie wird die Wirksamkeit und Sicherheit der oralen Pirfenidon-Gabe bei progressiver, nicht-IPF Lungenfibrosen (RELIEF; www.lungeninformationsdienst.de/forschung/klinische-studien/aktuelle-klinische-studien/lungenfibrose/relief/index.html) untersucht. Sie ist als prospektive, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte, multizentrische Studie angelegt und wird in 15 deutschen Studienzentren seit April 2016 durchgeführt. Die Studie wird geleitet von Prof. Jürgen Behr, München und Prof. Andreas Günther, Gießen, und vom Koordinierungszentrum für Klinische Studien der Philipps Universität Marburg betreut. Die RELIEF-Studie wurde im Rahmen des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) initiiert und gemeinsam mit Roche finanziert.

Der primäre Endpunkt der Studie ist die Wirksamkeit, gemessen an der absoluten FVC-Veränderung (in % des Sollwertes) von Studienbeginn bis Woche 48. Die sekundären Endpunkte sind u. a. die Zeit bis zur Krankheitsverschlechterung (klinisch, Tod, Lungentransplantation oder Hospitalisierung), das progressionsfreie Überleben (gemessen am FVC-Rückgang oder Hb-korrigierten DLCO[1]), die 6MWD[2]-Veränderung und die Arzneimittelsicherheit.

In die Studie eingeschlossen werden Erwachsene mit Non-IPF Lungenfibrosen, die trotz Therapie, bzw. bei der ALF aufgrund der fehlenden Behandlungsmöglichkeiten ohne Therapie, eine Progression aufweisen. Die Diagnose muss seit mindestens neun Monaten gesichert sein.

Die ermittelte Fallzahl für RELIEF beträgt pro Therapiegruppe mindestens 187 Patienten. Sobald 224 Patienten die Behandlung abgeschlossen haben, ist eine Zwischenauswertung geplant. „Die Analysen erfolgen unter anderem auch entitätsspezifisch“, so Professor Behr, „so dass für jede untersuchte ILD der evtl. Mehrwert für die jeweiligen Patienten dargestellt werden kann.“ 

 

Kontakt

Leiter der klinischen Prüfung:

Prof. Dr. med. Jürgen Behr
Klinikum der Universität München, LMU,
Asklepios Kliniken München Gauting
Tel.: 089-4400-75310 oder 089-85791-4101
Email: juergen.behrnoSp@m@med.uni-muenchen.de oder
j.behrnoSp@m@asklepios.com 

Stv. Leiter der klinischen Prüfung:

Prof. Dr. med. Andreas Günther
Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Agaplesion Pneumologische Klinik
Waldhof-Elgershausen
Tel.: 0641-985-42502
Email: Andreas.GuenthernoSp@m@innere.med.uni-giessen.de 


[1] DLCO: Diffusing Capacity of the Lung for Carbon Monoxide; Diffusionskapazität gemessen am pulmonalen Transferfaktor

[2] 6MWD: Six-Minute Walk Distance; “Sechs-Minuten-Gehstrecke”

 


[i] Deutsches Register Klinischer Studien. RELIEF DRKS00009822: Erforschung der Wirksamkeit und Sicherheit der oralen Pirfenidongabe für progressive nicht-IPF Lungenfibrose (RELIEF); randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte, , multizentrische, Parallelgruppen-, Phase-II-Studie. EudraCT No.:2014-000861-32.

[ii] Nathan SD et al. Am J Respir Crit Care 2015; 191:A1016

[iii] Nathan SD et al. Am J Respir Crit Care 2016; 193:A4995

[iv] King TE, N Engl J Med 2014; 370; 2083-92

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